Das Burgund – Herz des Weins

Obwohl es nur 3% der gesamten Weinbaufläche Frankreichs umfasst und lediglich drei Rebsorten – der rote Pinot Noir und die weißen Chardonnay und Aligoté – angebaut werden, entstammen aus dem Burgund einige der qualitativ wertvollsten – und seltensten – Weine der Welt. 

Kleinste Parzellen, größte Lagen

Das Burgund lässt sich ohne Übertreibung als das Herz des Weinbaus bezeichnen: Obwohl es nur 3% der gesamten Weinbaufläche Frankreichs umfasst, entstammen aus dieser hochkomplexen und abwechslungsreichen Region einige der qualitativ wertvollsten – und seltensten – Weine der Welt. Und die Qualität der Burgunderweine verbessert sich immer noch und begeistert Kenner jedes Jahr aufs Neue.

Die besten Lagen, wie Montrachet, Chambertin oder Musigny, sind unter Winzern aufgeteilt, die oft nur wenige Reihen Reben ihr Eigen nennen. Diese Zersplitterung ist historisch gewachsen und macht den Charme des Burgunds aus: Jeder Winzer bringt seine eigene Handschrift in die Weine ein, selbst wenn die Trauben von Nachbarn stammen.

Weintrinken für Profis

Burgunderweine sind nichts für Anfänger: Aufgrund der Zersplitterung der Region und dem daraus resultierenden Flickenteppich an Historien und Stilistiken gibt es im Burgund teils gewaltige Schwankungsbreiten in Bezug auf Aromatik, Mineralität, Säure, Tannine und Körper. Selbst dieselbe Grand Cru kann sich je nach Winzer völlig unterschiedlich präsentieren. Die Qualität schwankt stark, nicht nur zwischen den Lagen, sondern auch zwischen den Winzern.

Während einige Domänen wie Fourrier oder Romanée-Conti weltweit für große Augen sorgen, gibt es auch unzählige kleine Erzeuger, deren Weine nur Eingeweihte kennen. Wer sich ans Burgund ranmacht, braucht also einen guten Riecher – und die passenden Kontakte, denn die Winzer im Burgund verkaufen ihren Wein nur selten direkt.

Das heißt: Wer das Burgund als außenstehender Kennenlernen möchte, sollte sich zunächst einen verlässlichen Partner suchen, der ihn in diese Welt einführt. Dafür erwartet Interessierte ein gustarisches Erlebnis sondergleichen.

Die Regionen des Burgunds

Deutschland als Weinland ist nur recht schwer unter einen Nenner zu bringen, nicht zuletzt, da es in den 13 Weinbauregionen des Landes teils völlig unterschiedliche Weinbautraditionen gibt. Fakt ist jedenfalls, dass der Deutsche Weinbau sich in den letzten Jahren dynamisch weiterentwickelt hat.

In puncto Riesling sind zumindest wir vor allem von drei Weinbauregionen angetan:

Chablis – kühles Terroir für anregenden Chardonnay

Geografisch separiert vom Rest der Weinbauregion im Norden prägen die kalkhaltigen Böden des Kimmeridge das Terroir. Hier liegt das Chablis – die kühlste Subregion des Burgunds und die Heimat von Chardonnays von unvergleichlicher Frische und Mineralität. Das Klima schenkt den Weinen kräftige Aromen von grünem Apfel, Zitrus und Flint, mit mineralischer, fast salziger Tiefe. Chablis ist Chardonnay in Reinform: pur, präzise, ungeschminkt.

Côte d’Or – Das goldene Herz

Auch im Burgund gibt es Unterschiede – wenn von der absoluten Spitze des franzözischen Weins die Rede ist, dann ist damit meistens die Côte d'Or gemeint. Diese teil sich weiter in die Côte de Nuits und die Côte de Beaune auf.

Côte de Nuits: Die Domäne des Pinot Noir

Zwischen der Stadt Dijon und der Gemeinde Nuits-Saint-Georges bestimmen braune Kalkböden und mildes Klima den Weinbau. Perfekte Bedingungen für Pinot Noir – nicht weiter verweunderlich also, dass hier einige der legendärsten Rotweine der Welt entstehen. Gemeinden wie Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges oder Chambolle-Musigny sind Synonyme für kraftvolle, elegante Rotweine..

Côte de Beaune: Wo Chardonnay und Pinot Noir glänzen

Die Côte de Beaune im Umfeld der Stadt Beaune erzeugt ebenfalls erstklassige Pinot Noirs, etwa aus den Gemeinden Pommard oder Auxey-Duresses. Doch ebenso ist sie die Domäne der weißen Grand Crus – Meursault, Montrachet oder Corton-Charlemagne, um nur ein paar zu nennen. Die Böden der Côte de Beaune sind reich an Kalk und Ton, was den Weinen cremige Textur, mineralische Tiefe und eine fast schon sinnliche Eleganz verleiht.

Côte Chalonnaise – Burgunds Geheimtipp

Weniger bekannt doch nicht minder uninteressant ist das Mâconnais rund um die gleichnamige Stadt im Süden der Côte d'Or. Die Weine sind zugänglicher und fruchtbetonter als im Norden, aber nicht weniger charaktervoll. Besonders interessant ist die Gemeinde Bouzeron im äußersten Norden – hier hat sich die sonst wenig kultivierte Rebsorte Aligoté in den letzten Jahren einen Namen gemacht.

Mâconnais – Burgunds sonnige Seite

Südlich der Côte Chalonnaise erstreckt sich das Mâconnais, wo Chardonnay auf kalkhaltigen und lehmigen Böden gedeiht. Das milde, sonnenverwöhnte Klima schenkt den Weinen eine opulente Frucht (Pfirsich, Aprikose, Zitrus) und eine zugängliche, aber dennoch komplexe Struktur.

Beaujolais – Der Sonderfall

Ob Beaujolais zum Burgund gehört, ist unter Kennern umstritten. Doch die granithaltigen Böden und das warme Klima schaffen hier völlig andere Weine: Die rote Rebsorte Gamay dominiert, und die Weine sind fruchtig, lebendig und oft unkompliziert. Die Crus wie Fleurie oder Morgon zeigen jedoch, dass auch Beaujolais Tiefe und Komplexität bieten kann – wenn auch in einem ganz eigenen Stil.

Die Rebsorten des Burgunds

Abgesehen vom Beaujolais sind in der gesamten Region Burgund nur 3 Rebsorten vorhanden: Pinot Noir und Chardonnay teilen sich den Löwenanteil der Rebfläche untereinander auf, daneben finden man noch vereinzelt Rebstöcke des weißen Aligoté.

Übrigens: entgegen Ihres Namens sind Weiß- und Grauburgunder im heutigen Burgund kaum anzutreffen

Pinot Noir

Mit über 30.000 Hektar ist Pinot Noir die wichtigste Rebsorte des Burgunds. Sie liebt die kalkhaltigen Böden und das gemäßigte Klima der Region. Im Glas entfaltet sie Aromen von Kirschen, Veilchen, Pilzen und Gewürzen, mit einer seidigen Textur und einer lebendigen Säure. Pinot Noir ist eine Diva – schwer zu kultivieren, aber belohnend für Winzer und Trinker.

Chardonnay

Chardonnay prägt die weißen Grand Crus des Burgunds. Auf kalkreichen Böden entwickelt er Aromen von Zitrus, Butter, Haselnuss und Flint, mit einer cremigen Textur und einer mineralischen Tiefe. Ob als Chablis, Meursault oder Puligny-Montrachet – Chardonnay zeigt im Burgund, was er wirklich kann.

Aligoté

Aligoté, oft im Schatten von Chardonnay, ist eine robuste, säurebetonte Sorte, die vor allem in Bouzeron glänzt. Sie bringt frische, zitrusbetonte Weine hervor, die perfekt zu Meeresfrüchten oder Ziegenkäse passen. Ein Geheimtipp für Liebhaber knackiger, unkomplizierter Weine.

Die AOP-Klassifizierung – Burgunds Qualitätssystem

Das Burgund klassifiziert seine Weine nach Appellation d’Origine Protégée (AOP). Diese umfasst 4 Qualitätsstufen:

  • Regionsweine (Bourgogne Rouge/Blanc) sind einfache, zugängliche Weine.
  • Villages (z. B. Meursault, Volnay) stammen aus bestimmten Dörfern und zeigen mehr Terroir.
  • Premier Crus (z. B. Meursault "Les Perrières" oder Gevrey-Chambertin "Cherbaudes") sind Spitzenlagen mit besonderer Qualität.
  • Grand Crus (z. B. Griotte-Chambertin oder Chassagne-Montrachet) sind die absoluten Spitzenweine – selten, teuer, legendär.

Die AOP-Klassifizierung gilt übrigens für ganz Frankreich – und sie ist die Vorlage für die meisten modernen europäischen Qualitätsklassifizierungen – etwa dem Deutschen VDP-System oder auch der Klassifikation der steirischen STK-Winzer